Ein Plädoyer für das Laufen

Laufen ist out. Könnte man meinen. Cardio-Training, also solches, das vor allem das Herz-Kreislauf-System trainiert, hat keinen guten Ruf mehr. Zu ineffizient, zu zeitfressend, zu langweilig. More bang for your buck? Dann versuch dich an High Intensity Intervall Training (HIIT), Bodyweight Training, Crossfit und ähnlichem. In kurzer Zeit Muskeln aufbauen, Kalorien verbrennen und zum Alltag zurückkehren. Viel effizienter.

Wisst Ihr was? Ich mag laufen. Laufen ist für mich nicht nur Sport und Bewegung. Na klar ist das toll, dass man sich bewegt, vor allem, wenn man einen sitzenden Beruf ausübt. Aber für mich ist es viel mehr. Ich nenne das gern „Kopf lüften gehen“. Laufen ist für mich nicht nur körperliche Anstrengung. Es ist vor allem auch Entschleunigung. Nicht, weil ich besonders langsam laufe, sondern weil Laufen  Erholung für meinen Kopf ist. Zeit für mich allein, weg von Laptop, E-Mail, Social Media und allem anderen, was einem sonst so Aufmerksamkeit raubt. Wenn ich laufe, hat das für meinen Kopf etwas meditatives. Wenn man seinen Rhythmus gefunden hat und es einfach läuft (pun intended), hat das etwas unheimlich beruhigendes. Die Gedanken fliegen und ganz oft komme ich auf neue Ideen oder finde Antworten auf Probleme, die ich am Schreibtisch nicht lösen konnte. Fitness und Entspannung – Laufen ist eine Win-Win-Situation für mich.

Dazu kommt, dass man sich draußen an der frischen Luft bewegt und noch etwas Tageslicht einsammelt, was ungeheuer gut für das Immunsystem ist. Ich habe das Glück, Natur vor der Haustür zu haben und kann meine Runden auf Feld- und Waldwegen oder wahlweise auch an der Elbe drehen. Es macht mich glücklich, wenn ich an diese einen Stelle im Wald langlaufe, von wo aus ich die Autobahn sehen kann. Ich freue mich dann darüber, dass ich gerade nicht im Auto sitze und über den Asphalt hetze. Darüber, dass ich gerade den Duft von Kiefern, nassem Gras und Brombeeren einatmen kann. Darüber, dass mir ein bisschen Wind um die Nase weht und ich das Knirschen kleiner Steinchen unter meinen Schuhen spüren kann.

Dieser Trend weg von chronischem Cardio hin zu Kraft- und Gewichtstraining ist auch eine Erscheinung unserer jetzigen Gesellschaft. Mehr, schneller, billiger. Rein, rauf, runter, raus. Man will ja nicht unnötig Zeit dafür aufwenden, fit und gesund zu bleiben. Wir sind zu beschäftigt, zu hektisch, man hat ja sowieso soviel zu tun, und dann hat man ja auch noch Familie. Also, schnell rein ins Fitness-Studio oder die Crossfit-Box, Workout abspulen und dann wieder zurück an den Schreibtisch. Nicht mein Ding. Ich brauche meine Auszeiten für mich allein und Laufen bietet mir genau das.

Ich finde diese HIIT- und Bodyweight-Sachen ehrlich gesagt langweilig und sie machen mir keinen Spaß. Bämm. Für mich gibt es da nicht das Win-Win, was mir das Laufen bringt. Natürlich ist Krafttraining wichtig, vor allem auch für Läufer, aber auch für Sitzarbeiter. Ein starker Körper ist weniger anfällig für Wehwehchen und macht auch die Arbeit am Schreibtisch erträglicher. Daswegen versuche ich auch, regelmäßig solche Übungen mit einzubauen, aber  dafür Laufen eintauschen? Niemals!

 

[Artikelbild: Paolo Margari]

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